Ärztlicher Missionseinsatz der Familie Breil in Honduras

Zwischenbericht

Quelle: Heil

Seit sechs Wochen sind wir nun schon in Honduras, um im Missionskrankenhaus „Loma de Luz“ 3 Monate lang ehrenamtlich mitzuarbeiten. Wir haben einige Tage gebraucht, um uns nach der langen Anreise von fast 48 Stunden zu akklimatisieren; aber mittlerweile haben wir uns gut eingelebt. Wir sind von den Langzeit-Missionaren und den anderen Mitarbeitern sehr herzlich aufgenommen worden.

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Das Krankenhaus „Loma de Luz“ (übersetzt „Hügel des Lichtes“) liegt an der Nordküste von Honduras, am Fuße der Bergkette, die sich ins Hinterland erstreckt und von dichtem Regenwald bewachsen ist. Es ist eine ländliche Region, die meisten Menschen hier sind sehr arm und leben unter sehr einfachen Verhältnissen. Viele haben kein regelmäßiges Einkommen, sondern leben von Gelegenheitsjobs und dem, was sie hinter dem Haus anpflanzen können. Nur in den Dörfern entlang der Schotterstraße gibt es Strom -wenn er nicht gerade wieder einmal ausfällt.

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Das Krankenhaus bietet die einzige Gesundheitsversorgung in der ganzen Region an, das nächste Krankenhaus ist ca. 2 Stunden entfernt. Es gibt einen stationären Bereich mit insgesamt 20 Betten, zwei OP-Säle, einen Kreißsaal, eine Ambulanz mit Spezialsprechstunden und Wund-Klinik, dazu ein Labor und eine Apotheke. Das Ärzteteam besteht aus US-amerikanischen Allgemeinmedizinern, Gynäkologen und Chirurgen, die als Langzeit-Mitarbeiter den laufenden Betrieb aufrechterhalten. Dazu kommen immer wieder weitere Ärzte, z.B. HNO-Ärzte, Anästhesisten oder Kinderchirurgen, die in Kurzzeit-Einsätzen einige Wochen mitarbeiten.

Thomas ist zurzeit der einzige Kinderarzt hier und hat sofort nach unserer Ankunft angefangen zu arbeiten. Morgens macht er erst einmal einen Rundgang auf Station um sich die Kinder anzuschauen, die stationär sind. Die Kinder liegen meistens in einem Zimmer zusammen, während die Neugeborenen in einfachen Beistellbettchen bei ihren Müttern im Zimmer sind. Nach der Visite geht Thomas in die Ambulanz, deren Wartessaal meistens schon voll mit Patienten ist. In seinem Sprechzimmer sieht er Patienten mit den verschiedensten Erkrankungen. Einige Erkrankungen lassen sich gut mit den hier zur Verfügung stehenden Mitteln behandeln; vor allem bei einfachen akuten Erkrankungen gibt es hier die gleichen oder ähnliche Medikamente wie in Deutschland. Problematisch ist es jedoch, wenn Krankheiten weiter abgeklärt oder komplex behandelt werden müssen. Oft sind einem hier die Hände gebunden und pragmatisches Vorgehen ist gefragt. Leider kommen die Patienten oft erst, wenn eine Krankheit fortgeschritten ist. So z.B. wurde eines Mittags ein einjähriger Junge in die Notaufnahme gebracht, der seit mehreren Tagen an Durchfall litt und kaum noch etwas zu sich genommen hatte. Sein kleiner Körper war schon völlig ausgetrocknet, er hatte einen Kreislaufschock und verlor das Bewusstsein. Gott sei Dank konnten Thomas und die Krankenschwestern ihm schnell Venenzugänge legen, um ihm Flüssigkeit und Medikamente zu verabreichen, die ihm das Leben retteten. Hätten ihn die Eltern zwei Stunden später gebracht, wäre es vielleicht schon zu spät gewesen. Nach einer knappen Woche konnte er in stabilem Zustand wieder entlassen werden. Es ist immer wieder erstaunlich, welche Strapazen die Familien teilweise auf sich nehmen, um zum Krankenhaus und damit zu einer adäquaten medizinischen Versorgung zu gelangen. So ist ein 14-jähriges Mädchen, welches an einer chronischen rheumatologischen Erkrankung leidet, mit ihrer Mutter am Tag vor dem Vorstellungstermin über 12 Stunden aus dem Westen von Honduras angereist. Es gibt zwar auch gute Kliniken in der Hauptstadt Tegucigalpa und in San Pedro Sula, welche für das Mädchen und ihre Mutter deutlich einfacher zu erreichen wären, jedoch kann sich die Familie die ärztliche Behandlung dort einfach nicht leisten. Andere Familien aus dem bergigen Hinterland kommen nach einem siebenstündigen Fußmarsch im Krankenhaus an. Jetzt in der Regenzeit kann es sein, dass die Schotterpiste, an der das Krankenhaus liegt, gänzlich unpassierbar ist, da mehrere Flüsse jeweils an einer Furt überquert werden müssen, die dann zu viel Wasser führen.

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Seit Jahresbeginn arbeitet auch Saskia im Krankenhaus mit und hilft täglich im OP aus. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen, da z. B. nicht genau das richtige Material vorhanden ist, während der Operation das Narkosegerät ausfällt oder eine bestimmte Operation ohne die dringend benötigte Schnittbildgebung geplant werden muss. Vor jeder Operation wird mit dem ganzen OP-Team gebetet, so nicht nur für den Patienten und das Gelingen der Operation, sondern auch das Funktionieren der Geräte... Dabei ist erstaunlich, fast unglaublich, was mit geringen Mitteln möglich ist und wie gut das Ergebnis der Operationen ist. Hier wird Gottes direktes Wirken sichtbar.

Unsere Kinder haben sich mittlerweile auch gut eingelebt und schon einige Freunde zum Spielen gefunden. Tagsüber passt das Kindermädchen Paola auf sie auf, die sich liebevoll um sie kümmert und kocht. Die Kinder freuen sich darüber, immer wieder etwas Neues zu entdecken. Besonders spannend sind für sie die Tiere. So gibt es z.B. Kolibris, Tukane und Brüllaffen zu beobachten, die in den Bäumen hinter unserem Haus leben. Jeden Morgen werden wir durch das Gebrüll der Affen geweckt. Zu Weihnachten haben unsere Kinder Küken bekommen, die sie gerne füttern.

An den Wochenenden haben wir frei. Wir genießen, dass wir so viel Zeit als Familie zusammen verbringen können. Am liebsten gehen wir dann zum Strand, wenn es das Wetter zulässt. Allerdings muss auch mal ein ganzer Tag „geopfert“ werden, um in die Stadt zu fahren und Lebensmittel einzukaufen. Der nächste Supermarkt ist ca. 2 Stunden entfernt.

Sonntags besuchen wir den Gottesdienst in der kleinen Kirche neben dem Krankenhaus. Besonders gut gefallen uns die spanischen Lobpreislieder zu Beginn des Gottesdienstes. An Weihnachten haben wir mit dem deutschen Weihnachtslied „Oh du Fröhliche“ zum Gottesdienst beigetragen.

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Täglich werden wir daran erinnert, wie gut es uns geht und wie behütet unsere Kinder aufwachsen. Viele Lebensgeschichten, die wir hier mitbekommen, sind schockierend und berührend. Es gibt kaum eine Familie, die nicht mindestens ein Familienmitglied auf tragische Weise oder durch Gewalt verloren hat. Für viele ist das täglich Brot ungewiss. Das (Über-) Leben ist hart. Für viele ist der einzige Anker im Leben der Glaube an Jesus Christus, der ihnen immer wieder neue Hoffnung gibt.

Wir sind dankbar, dass wir für 3 Monate hier am Krankenhaus mitwirken können. Vielen Dank für die Unterstützung und die Gebete der Kapellengemeinde.

Herzliche Grüße aus Honduras,

Familie Breil

Weitere Informationen und ausführliche Berichte mit Fotos finden Sie auf unserer Internetseite: https://familiebreil.wordpress.com


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